Mindset

Loslassen

Immer wieder mal bin ich für meine Freundin auf der Suche nach einem Geschenk. Bei ihr ist es aber ganz speziell. Ich suche nicht dann explizit auf ihren Geburtstag oder Weihnachten nach einem Mitbringsel. Meistens laufe ich unter dem Jahr einfach an genau das passende Präsent heran. Und dann finde ich es selbst so toll, dass ich es am liebsten einfach für mich behalten möchte.

Nichts desto trotz hat es sie dann natürlich immer bekommen! Dann wenn ich ihr das Geschenk überreiche und es etwas ist, dass mir selbst auch ungemein gut gefällt, fällt mir das Loslassen dieses Geschenks dennoch ganz leicht, weil sie einfach einer meiner Lieblingsmenschen ist. Das Schenken und Loslassen von dem Gegenstand macht mir dann noch mehr Freude, weil ich einfach weiss, dass sie es genau so toll findet wie ich. Aber ich muss gestehen, im Laufe der Jahre habe ich meine Strategie geändert und immer gleich zwei Exemplare gekauft. Und nicht nur beim Geschenke kaufen ist das Thema Loslassen präsent. Sondern auch bei unseren Gewohnheiten. Ganz besonders dann, wenn es darum geht, Kilos loszulassen. Und sich der Gedanke im Kopf ausbreitet: ich will mich verändern, ich will abnehmen, ich will ab jetzt strahlen wie eine Königin!

Das Leben passiert

Loslassen? Uh nein, nur nicht das! Wer weiss, was dann alles passieren kann! In den meisten Fällen passiert genau dann: Das Leben. Es passiert, ob du willst oder nicht. Die Frage jedoch ist aber, wie willst du, dass es passiert? Was geschieht mit dir, wenn du Fehler machst, einen Rückschlag erleidest oder die Mutprobe deines Lebens durchgemacht hast? Genau, du wirst stärker (Ja ok, nicht gerade in diesem Moment, aber danach!).

Aber damit du dich nicht immer nur im Kreis drehst, gehört das Loslassen einfach dazu. Wenn wir aber ehrlich zu uns selber sind, hindert uns meistens ein bestimmter Gedanke am Loslassen: Angst davor, wie ein Idiot dazustehen und falsch verstanden zu werden. Genau so ging es mir, als ich für mich beschlossen habe, abzunehmen. Ich wollte nicht, dass es jemand mitkriegt, für den Fall, dass ich es nicht schaffen werde. Doch ist es nun mal halt so beim Abnehmen, dass es optisch doch offensichtlich ist, dass da was passiert.

Was hörst du in dir?

Doch beim Loslassen geht es vielmehr darum, aufzuhören alles zu kontrollieren. Damit dies aber funktioniert, braucht es dazu auch Mut und die Kraft der Veränderung. Oftmals genügt es aber auch schon, wenn wir uns erlauben, ein bisschen abzuwarten und nicht immer gleich alles jetzt und sofort lösen zu wollen. Wir sollten darauf vertrauen, dass das Leben uns unseren nächsten Schritt schon zeigen wird. Sich ein wenig Raum und Stille zu schaffen, erlaubt es uns dann auch, tief in uns hinein horchen zu können. Damit ist nicht gemeint, auf den passenden Zeitpunkt zu warten.

Aber wenn du genau spürst, jetzt bin ich bereit, jetzt mache ich Attacke, jetzt sage ich: Let’s go! Dann in diesem Augenblick hast du deinen Moment der Wahrheit gefunden. Und beim Abnehmen ist es so, wie bei jeder anderen Veränderung auch: Es funktioniert nur, wenn du es wirklich willst. Und vor allem, wenn du es für dich tust!

Die lieben Ausreden

Wir gehen dies jetzt mal anhand von einem Beispiel durch. Du bist mit deinem Gewicht unzufrieden und wünschst dir schon seit langem ein paar Kilos zu verlieren. Doch du bleibst aber dennoch nur am Gedanken kleben, irgendwann dann mal abnehmen zu wollen. Dir fallen dann immer genügend Gründe dazu ein, warum du eine Gewichtsreduktion nicht angehst. «Ich bin schon zu alt, das lohnt sich sowieso nicht mehr» oder «Nach einer Diät kommt sowieso wieder der Jojo-Effekt, dann bin ich noch schlimmer dran…» oder «ich kann mir das sowieso nicht leisten» oder ganz fies: «ich kann mich glücklich schätzen, so dick bin ich gar nicht und ich hab sowieso keine Zeit dafür.».

Akzeptieren oder hinnehmen?

Was auch immer mit diesen Aussagen erreicht werden will, fakt ist: sobald der Gedanke in deinen Kopf kommt, endlich abnehmen zu wollen, platzen diese Gründe in deine Gedanken und du wechselst sofort das Thema, bevor du dich damit überhaupt richtig auseinandergesetzt hast. Anschliessend spielst du dir selber vor, dich mit dieser Situation abgefunden zu haben. «Es ist halt, wie es ist». Leider aber ist das keine Akzeptanz die da aus dir spricht, sondern definitiv ein klares Hinnehmen. An dieser Stelle gibt es dann mehrere Möglichkeiten, mit dem Gedanken weiterzufahren. Option 1: Deine Aufmerksamkeit auf ein anders Thema lenken. Option 2: Gegen diesen Gedanken ankämpfen und ihn erfolgreich unterdrücken. Option 3: Hineinsteigern und sich selbst bemitleiden; wie konnte es nur soweit kommen?

In der Ruhe liegt die Kraft

Es gibt aber noch eine Option, welche wohl die angebrachteste wäre: Einfach still sein. Nimm das Gefühl wahr, sei ihm gegenüber offen und nimm es so an wie es ist. Dadurch kann das Gefühl wirklich gefühlt werden und es kann sich lösen. Mit dieser Reaktion kannst du dich auseinandersetzen und kannst es Schritt für Schritt verändern. Setzt du dich mit dir selbst auseinander und hörst dir zu, dann spürst du, was wirklich um dich und in dir passiert, ohne dass deine Gedanken dazwischenfunken und dich in den gewohnten Gedankenstrudel ziehen. Durchaus könnte es dann sein, dass du erst einmal einen Druck auf deiner Brust verspürst, der dir den Raum zum Atmen raubt. Oder der Druck lastet vielleicht auch auf deinen Schultern und drückt dich nach unten und lässt dich ganz klein werden. Vielleicht prasselt eine tiefe Traurigkeit auf dich herab und du denkst, in einer Sackgasse zu stecken.

Das grosse ABER

ABER, da ist auch noch etwas anderes zu spüren. Ein kleiner Funke. Voll mit Energie und Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einer Verwirklichung und Veränderung. Dieser Funke führt dann zu Gedanken wie «Ich wünsche mir mehr von mir. Ist es das jetzt gewesen? Oder kommt da noch Etwas? Und du weisst genau, dass die Welt noch voller Möglichkeiten ist, die dir offenstehen. Die Sehnsucht schenkt dir dann Auftrieb, Hoffnung und Mut. Sie lässt dich wieder den Kopf heben und nach vorne schauen, in eine offene Zukunft, in der du lebst, wie es dir gefällt. Du bist bereit und spürst in dem Moment die Stärke in dir, welche du dir schenkst, weil du erkannt hast, was du willst und was dir guttut. Und dass dich ein paar Kilos auf den Rippen viel glücklicher machen werden, als weiterhin diese Gedanken mitzutragen.

Ein neues Abenteuer wartet

Kehren wir zum Beispiel mit dem abnehmen zurück, so bist du jetzt an dem Punkt angelangt, der dir ganz klar vermittelt hat, dass es Zeit ist für eine Gewichtsreduktion. Kommen doch wieder die unbeliebten Gedanken auf wie: «Was ist, wenn ich es nicht schaffe, abzunehmen?» Diese Überlegung ist gerechtfertigt, denn eine Entscheidung kann sich immer als Fehler entpuppen, das ist nun mal so, ganz klar. Doch was ist der Preis dafür, darauf zu verzichten und es nicht auszuprobieren? Kannst du besser mit einer schlechten Entscheidung umgehen oder damit, das Gefühl von Verlust und von nicht gelebten Vorhaben zu empfinden und den versäumten Möglichkeiten hinterherzujagen? Kurz gefragt: Wirst du die Dinge, die du NICHT getan hast mehr bereuen, als die, die du getan hast? Wie Johann Wolfgang von Goethe schon sagte:

«Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.»

Selbstläufer

Ein Aufbruch ins Unbekannte kann ein wunderbares Abenteuer sein und bietet dir ein bunter Strauss an Möglichkeiten. Nichts desto trotz: Wer scheitert, der lernt. Wir alle haben schon Fehlschläge in unserem Leben erlitten. Zum Beispiel das Laufen lernt man nur durch das Hinfallen. Alle grossen Denker und Künstler können davon ein Lied singen. Aber auch ihnen haben die Fehlschläge dabei geholfen, loszulassen und die wahren Wünsche zu identifizieren. Loslassen ist nicht nur, sich von etwas zu verabschieden oder Kilos zu verlieren. Loslassen ist auch die Kunst, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Es ist also auch das Geheimnis der Gelassenheit. Einfach mal ausprobieren und schauen, ob es funktioniert.

Mehr wie Balu sein

Mehr Gelassenheit täte auch dir gut und würde sogar noch deine innere Balance fördern. Hier eine gute Nachricht für dich: Gelassenheit ist nicht eine Folge von glücklichen Umständen oder günstiger Gene. Der Zugang liegt in deinem Denken und der Zusammenarbeit mit dir selbst. Gemütlichkeit ist beim Abnehmen der Schlüssel zum Erfolg! Glaubst du nicht? Ist aber wahr! Während einer Ernährungsumstellung kommt es auf das Timing an. Denn jede Veränderung, mag sie noch so klein sein, braucht viel Zeit bis sie akzeptiert und zur Gewohnheit wird. Desshalb ist es unerlässlich, während dem Abnehmen Schritt für Schritt und mit viel Gelassenheit die Kilos purzeln zu lassen. Nur so kann ein Jojo-Effekt vermieden werden. Und deshalb ist Gelassenheit bei der Gewichtsreduktion so unglaublich wichtig. Kennst du «Balu» aus dem Trickfilm «Das Dschungelbuch»? Hier ein Ohrwurm nur für dich: Probier’s mal mit Gemütlichkeit…

Loslassen für Anfänger

Bereits Balu wusste, dass Gelassenheit im Alltag viel Kummer und Sorgen verschwinden lässt. Ja, auch ich wäre gern mehr wie Balu! Wir können uns von ihm eine dicke Scheibe abschneiden. Sind wir einmal etwas mehr gelassen, können wir uns wieder unseren Gefühlen widmen. Kehren wir nochmals zum Beispiel mit dem abnehmen zurück. Erst durch das Loslassen haben wir erfahren, welche Gefühle uns zu dem Thema begleiten. Jetzt dürfen sie endlich da sein, sie werden gesehen und anerkannt. Dies nur, weil wir losgelassen haben. Die Gefühle können dann den Weg frei machen, damit die «alte» Wut, Angst oder Trauer verfliegen kann. Es ist also dann eine Chance dafür, alte Überzeugungen, Gedankenmuster, Groll und Ängste aufzulösen und innerlich zu wachsen.

Gehen wir unseren fünf Grundgefühlen kurz auf den Grund:

WUT

Die Wut ist die Handlungskraft überhaupt. Sie steht an erster Stelle. Sie ist dafür bekannt, dass sie ungeahnte Energiereserven in dir mobilisieren kann. Durch Wut beziehst du eine klare Position und stehst für dich ein. Menschen mit gesunder Wutkraft fällt es leicht, JA und NEIN zu sagen, Grenzen zu setzen und ihre Ziele zu verfolgen. Zu viel Wutkraft hingegen kann auch zerstörerisch und verletzend sein.

Die Wut kann dich also beim Abnehmen antreiben, da du darüber so wütend bist, dass du es soweit hast kommen lassen. Oder sie hindert dich daran, überhaupt mit dem Versuch des Abnehmens zu starten, da du zu dir selber vernichtende Sätze sagst wie: du bist selber schuld an deiner Situation jetzt ist es halt so, wie es ist.

TRAUER

Die Trauer hilft dir, loszulassen und anzunehmen. Auch dann, wenn es nicht deinen Vorstellungen entspricht. Indem du trauerst, würdigst du gleichzeitig deine Wünsche. Die Trauerkraft macht dein Herz weit und öffnet es für eine neue Liebe. Sie ermöglicht dir tiefen Kontakt mit dir selbst herzustellen. Aber auch die Trauer hat ihre Schattenseiten. Sie treten oftmals als Passivität und Melancholie auf.

Es ist also gut möglich, dass du traurig über deine aktuelle Situation mit deinem Gewicht bist und dich ständig fragst, wie konnte es nur soweit kommen. Dies löst dann eine Melancholie in dir aus und eine passive Einstellung dem Thema gegenüber, an deiner Situation etwas zu verändern.

ANGST

Die Angst ist ein Signal dafür, dass du etwas Unbekanntem begegnest und nicht weisst, was dich erwartet. Das muss aber nicht immer gleich eine Gefahr sein. Die Kraft der Angst lässt dich Grenzen überschreiten und über dich selbst hinauszuwachsen. Sie weckt deine Kreativität und fördert dein Potenzial zutage. Doch eine übertriebene Angst kann dich auch erstarren und lähmen lassen.

Hast du die Angst vor dem Gedanken: Das schaffe ich sowieso nicht! Einmal überwunden und die ersten Erfolge erzielt, ist diese Angst wie weggeblasen und es stellte sich heraus, dass die Angst unbegründet war. Doch kann die Angst davor: Das schaffe ich sowieso nicht! So enorm stark sein, dass du es nie ausprobieren wirst und weiterhin deinem Traum von der Figur, die du einmal hattest, hinterherjagen.

FREUDE

Die Freude ist die Kraft, die dein Licht leuchten lässt und deine beste Seite zum Vorschein bringt. Freude macht dich anziehend und schenkt dir natürliche Autorität. Sie ist der Ausdruck von Dankbarkeit und Wertschätzung deinem Leben und dir selbst gegenüber. Die Kraft der Freude lässt dich das Leben feiern und geniessen. Ist deine Freude allerdings nicht echt, lebst du in einer Illusion und redest dir die Welt nur schön.

Die wahre Freude darüber, dass du dein Wohlfühlgewicht zurückerobert hast, lässt dich so immens strahlen, dass du dich wie eine Königin fühlst. Und dass zurecht! Respekt davor, dass du dich getraut hast und zu dir sagtest: Let’s go! Ich bin dazu bereit, etwas zu tun! Doch, wenn du dir deine Traumfigur lediglich beim Universum bestellst und hoffst, dass wenn du vor den Spiegel stehst und dir einredest, dass du 10 Kilo leichter bist, dann muss ich dich enttäuschen: Einbildung ist bekanntlich auch eine Bildung… Dass wird wohl nix, meine Liebe. Und falls doch, dann lass es mich wissen, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!

SCHAM

Scham ist eng an deine Fähigkeit zur Selbstreflexion geknüpft. Indem du dich hinterfragst, lernst du dich selber besser kennen. Diese Innenschau ermöglicht es dir, dich weiterzuentwickeln und dich so wahrzunehmen, wie du bist, mit all deinen Schwächen und Kilos, auch wenn es unangenehm ist. In ihrer negativen Form führt Scham zu Selbstzerfleischung und Selbstzweifeln. Scham ist so ein wichtiges Gefühl beim Thema Abnehmen. Jeder, der gerne ein paar Kilos verlieren möchte, schämt sich für sein aktuelles Aussehen. Das ist einfach Fakt und alles andere stimmt nicht, auch wenn es sich ein paar Menschen einreden. Denn tief in sich, wissen sie ganz genau, wie sie sich fühlen. So kann dieses Schamgefühl bei der Gewichtsreduktion aber positiv umgestaltet werden und als Antreiber dienen. Denn nichts ist so kraftvoll wie das Gefühl, sich für etwas zu schämen.

Fühle das Loslassen nicht nur körperlich

Manchmal sind wir uns unseren Gefühlen gar nicht mehr richtig bewusst und wir fühlen sie nicht mehr in ihrer Reinheit. Fühlen können wir im hektischen Alltag oftmals gar nicht mehr. Doch ist das so wichtig. Unser Körper hilft uns sogar dabei zu fühlen, wenn wir nur wollen. Wenn du vermehrt deine Aufmerksamkeit bei deinen alltäglichen Beschäftigungen deinen Sinnen schenkst, wirst du feststellen, wie sich das Fühlen eigentlich anfühlt.

Stärke deine Sinne mit leichten Übungen, die du den ganzen Tag durch machen kannst. Wie sieht deine Tasse Kaffee aus? Wie fühlt sie sich an, wenn du sie berührst?

Welche Geräusche nimmst du beim Zubereiten des Kaffees wahr? Wie riecht es, wenn du an deinem Kaffee riechst? Nimm dir Zeit und konzentriere dich auf deine tägliche Routine und trainiere so deine Wahrnehmung. Denn ein weiterer Punkt bei einer Ernährungsumstellung ist es, auf den Körper und seine Zeichen zu achten. Und dies funktioniert nur, wenn du im Einklang und Vertrauen mit deinen Sinnen bist.

Dich selbst in deiner aktuellen Situation zu reflektieren, ist der erste Schritt dazu, dein Wohlfühlgewicht zurückzuerobern. Erst, wenn du für dich entschieden hast, dass es jetzt reicht, dass du dich verändern willst und du dein altes Ich loslassen willst, weitet sich dein Blick und du entdeckst Möglichkeiten, um deinen Weg so fortzufahren, wie du es dir vorstellst. Und wer weiss, in nicht allzu ferner Zukunft singst auch du, genau wie Balu: «Probier’s mal mit Gemütlichkeit…» lächelst dabei in den Spiegel und freust dich über dein Erscheinungsbild und das Gefühl, dass einfach alles möglich ist!

Ich sag also nur: Let’s go!

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